Keine Angst vor Bioinvasoren

Posted am 20.10.2013 | 1 Kommentar


Seit etlichen Jahren nimmt sie stark zu und immer wieder wird vehement in allerlei Medien darauf hingewiesen – die Angst vor dem „neuen Grün“ unseren Neophyten oder zugewanderten Pflanzen oder um es noch dramatischer zu benennen – den Bioinvasoren.

Immer wieder wird beschrieben, dass sie uns, unserer Gesundheit und unserer heimatlichen Flora eine ernsthafte Bedrohung darstellen. Ja sie sollen sogar dafür verantwortlich sein, dass so manch anderes Pflänzchen verdrängt wird oder vom Aussterben bedroht wird.

Alle Berichte scheinen sich ausschließlich darauf zu beziehen, wie diese „Grüne Gefahr“ in einem selbstlosen, heroischen Akt der Landesverteidigung von ach so ehrenamtlichen, gut gläubigen Helfern gebannt werden kann.

Statt das wandernde Grün als Bedrohung zu empfinden gegen die wir uns mit aller Macht zur Wehr setzen müssen hätte ich ein paar Fragen, die noch von keinem der Aktionäre die die Ausrottungsaktionen in die Welt rufen beantwortet wurde und daher auch keinen Platz in den Medien findet.

Warum fühlen sich diese Bioinvasoren bei uns so wohl?

  • Liegt es vielleicht daran, dass wir unsere Felder durch konstante und immer noch starke Überdüngung artenarm gemacht haben?
  • Oder daran, dass wir den Boden durch verschiedene Maßnahmen (Bebauung, Straßenbau, Schutt) so verdichtet haben, dass heimische Arten kaum damit zurecht kommen?
  • Hat schon mal jemand daran gedacht, dass Edelweiß, Enzian und Alpenrose auch keine heimischen Gewächse sind, sondern erst nach der Eiszeit aus asiatischen und sibirischen Gebieten bei uns einwandern konnten?
  • Oder daran, dass es seit dieser Globus existiert wir bereits SECHS mal einen Riesenkontinent hatten – Pangaea – und was sich in den Jahrmillionen dieser Zeit alles geändert hat?
  • Könnte es vielleicht hilfreich sein, sich zu vergegenwärtigen, dass alle diese Pflanzen (kanadische Goldrute, Riesenbärenklau, drüsiges Springkraut um nur einige zu nennen) dort wo sie herkommen als sehr kräftige Heilmittel hoch geschätzt werden?
  • Könnte es vielleicht auch hilfreich sein zu sehen, dass im Herbst wenn alles voller Goldruten und Springkrautblüten ist, kaum noch etwas von unseren heimischen Pflanzen auf den überdüngten und abgemähten und bereits wieder mit Jauche übersäten Wiesen wächst und die Insekten (Bienen, aber auch Hummeln und Schmetterlinge) diese Zugewanderten gerne als Nahrungsquelle annehmen?
  • Sollten unsere vehementen Artenschützer nicht vielleicht auch daran interessiert sein unsere Artenvielfalt zu stärken indem man über die negativen Folgen von Überdüngung und den Einsatz von Pestiziden vermehrt aufklärt?
  • Wäre es denn nicht im Sinne der Beschützer unserer heimischen Arten einmal ein Beispiel zu bringen, welche Pflanzen denn genau von den Neophyten verdrängt werden – bisher konnte mir noch niemand ein konkretes Beispiel nennen?
  • Wie wäre es denn, wenn wir die Bioinvasoren anstatt sie auszurotten einfach aufessen, auftrinken und aufschmieren – machen wir doch Russische Bärenklausuppe (natürlich mit Handschuhen ernten!), Kanadischen Goldrutensirup und einen drüsigen Springkrautbalsam der Neurodermitis und Schuppenflechte lindert?

Die Welt ist im Wandel – Panta rhei – alles fließt – wie der antike Grieche dazu sagte. Wir alle sind mobiler und vernetzter geworden. Das Klima wandelt sich, neue Pflanzen, Tiere und Menschen kommen zu uns – heute sind wir eben global. Globales muss aber nicht immer eine Bedrohung sein, manchmal sind auch die gefürchtetsten Neophyten ein Segen. Wenn das drüsige Springkraut den verdichteten Boden wieder aufbereitet hat und die Brombeersträucher wieder Fuß gefasst haben, verschwindet es und man hat mitunter Mühe es an seinen angestammten Plätzen sammeln zu können.

Wer wirklich wertvolle Information zu diesem Thema haben möchte dem sei das wunderbare Buch von Wolf-Dieter Storl „Wandernde Pflanzen“ wärmstens empfohlen.
Pflanzen sind nicht böse und sie überwuchern uns auch nicht mit der Absicht etwas oder jemanden zu verdrängen. Sie folgen einfach ihrer Natur, dort wo es die idealen Bedingungen gibt, wird der Same aufgehen. Wenn wir also andere Pflanzen haben wollen, sollten wir andere Bedingungen schaffen. Schließlich ist schon seit biblischen Zeiten bekannt „du wirst ernten – was du säst“.

Allerdings beschleicht mich manchmal das Gefühl, dass es bei all der Vehemenz, der Panikmachen und den Ausrottungsaktionen möglicherweise gar nicht um die Angst vor den fremden Pflanzen geht. Geht es womöglich um eine nicht gelebte Angst vor fremden Dingen im Allgemeinen oder vor fremden Menschen?

1 Kommentar

  1. dieser kritische beitrag zu den stellenweise überwuchernden auslandspflanzen ist sympthomatisch für unsere vernetzte welt und ihre mucken.
    doch lieber die an autobahnen entlang prosperierenden „inder“,
    als auch noch ein eigeshlepptes „ebola-derivat“ aus afrika.
    es scheint als ob der moderne mensch unserer breiten im allgemeinen vorurteil
    mehr sicherheit zu finden glaubt, als in tatsächlichen wissenschaftlichen hinterfragungen und ergebnissen.

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